Eine Praxisorientierte Einführung
in die Finanzmathematik
mit Excel-(Arbeitsblatt)funktionen
(Worksheetsfunctions)
1. Zinsrechnung
Wird ein Kapital für einen gewissen Zeitraum ausgeliehen (oder
angelegt), so werden als Nutzungsentgelt Zinsen erhoben.
- einfache (lineare) Verzinsung
Die Zinsen werden zeitantieilig berechnet und erst am Ende der
Laufzeit dem Kapital zugeschlagen (bzw. mit dem Kapital verrechnet).
Innerhalb der Laufzeit existiert kein Zinszuschlagtermin.
- Zinseszinsen (exponentielle Verzinsung)
Die Zinsen werden nach jeder Zinsperiode dem Kapital
hinzugefügt und tragen von da an selbst wieder Zinsen. Innerhalb
der Laufzeit liegen ein oder mehrere Zinszuschlagtermine.
1.1 Einfache (lineare) Verzinsung
Formel: $K_n = K_0 + n \times (K_0 \times r) <=>$
$ K_n = K_0 \times ( 1 + n \times r ) = K_0 \times ( 1 + n \times \frac{p}{100} ) $
[ F1.1a ]
wobei
$ K_n $ : Erspartnis nach n Jahren, Zukunfswert
$ K_0 $ : Anfangskapital, Initialwert, Barwet
$ n $ : Laufzeit in Jahren
$ r $ : Der Zinssatz in Kommazahl; und
$ p $ : Der Zinssatz in Prozentzahl. D.h. $ r = \frac{p}{100} $
( um die Formel möglich einfach zu haltern, werde ich weiter mit $ r $ arbeiten. )
Ist z.B. der EndBetrag bekannt, aber Anfanskapital gefragt wird, dann rechnet man mit
$ K_0 = \frac{K_n}{1 + n \times r} $
[ F1.1b ]
Wird die Laufzeit gesucht, dann ergibt sich
$ n = \frac{\left( \frac{K_n}{K_0} - 1 \right)}{r} $
[ F1.1c ]
und schließlich der Zinssatz
$ r = \frac{\left( \frac{K_n}{K_0} - 1 \right)}{n} $
[ F1.1d ]
Für die o.g. Berechnungen habe ich noch keine entsprechende Worksheetfunctions gefunden.
1.2 Zinseszinsen (exponentielle Verzinsung)
Am Ende des 1. Jahr wird eine Zwschensumme $K_1 = K_0 + (K_0 \times r) $
$ <=> K_1 = K_0 \times (1 + r)$ gebildet.
Und nach dem 2. Jahr beträgt die Zwischensumme $K_2 = K_1 + (K_1 \times r) $
$ <=> K_2 = K_1 \times (1 + r) $
$ <=> K_2 = [ K_0 \times (1 + r) ] \times (1 + r) $
$ <=> K_2 = K_0 \times (1 + r)^2 $
genau so beim 3. Jahr
$ <=> K_3 = K_2 \times (1 + r) $
$ <=> K_3 = [ K_0 \times (1 + r)^2 ] \times (1 + r) $
$ <=> K_3 = K_0 \times (1 + r)^3 $
$ ... $
und somit gilt allgemein
$ K_n = K_0 \times (1 + r)^n $[ F1.2a ]
Wie letzten Abschnitt kann man auch die Formel nach andere Größe auflösen.
Barwert am Anfang:
$ K_0 = \frac{K_n}{(1 + r)^n} $[ F1.2b ]
Laufzeit:
$ n = \frac{ log\left( \frac{K_n}{K_0} \right) }{ log( 1 + r ) }
= \frac{ log(K_n) - log(K_0) }{ log( 1 + r ) } $[ F1.2c ]
Und schließlich der Zinssatz (in Decimalzahl):
$ r = \sqrt[n]{ \frac{K_n}{K_0} } - 1 $[ F1.2d ]
Das ist sicherlich schwierig zu handhaben, daher führen wir nun 5 grundlegende
Worksheetsfunctions ein, die irgendwie ein System bilden.
| (engl.) term | (engl.) function |
(deut.) Name | (deut.) Funktion | korrespondiert zur Formel |
Interes rate | RATE(NPER; PMT; PV; FV; TYPE) |
Zinssatz | Zins(Zzr; Rmz; BW; ZW; F) | [ F1.2d ] |
Number of period | NPER(RATE; PMT; PV; FV; TYPE) |
Laufzeit | Zzr(Zins; Rmz; BW; ZW; F) | [ F1.2c ] |
(regular) Payment, annuity | PMT(RATE; PMT; PV; FV; TYPE) |
Regelmäßige Zahlung, Annuität | RMZ(Zins; Zzr; BW; ZW; F) | - |
Present value | PV(RATE; NPER; PMT; FV; TYPE) |
Barwert | BW(Zins; Zzr; ZW; F) | [ F1.2b ] |
Future value | FV(RATE; NPER; PMT; PV; TYPE) |
Zukunfswert | ZW(Zins; Zzr; BW; F) | [ F1.2a ] |
$$ PV \times (1 + RATE)^(PMT) + NPER \times (1 + F \times RATE) \times \frac{(1 + RATE)^NPER - 1}{RATE} + FV = 0 $$
Beispiel 1.2-1:
Für Formel [ F1.2a ] sollen wir die Funktion FV() einsetzen. Nehmen wir an, wir zahlen
138,00 € in eine Sparanlage. Der Zinssatz beträgt 4,5% und nach 4 Jahren sollen
wir insgesamt 164,57 € erspart haben.
$ 164.57 = 138.00 \times ( 1 + 0.045 )^4 $
Das gleiche werden wir auch in Excel mit dieser Funktion bekommen.
Future value = FV(RATE; NPER; PMT; PV; TYPE)
$ 164.57 = FV(0.045; 4; ; -138.00; 0) $
Bemerkungen:
- Der Zinssatz (0,045) ist in Dezimalform angegegeben (und nicht in Prozentzahl: 4,5%).
- Der Laufzeit ist in der Einheit "Jahr" angegeben (4). Natürlich ist eine nicht ganzzahlige Laufzeit,
bzw. eine "unterjährige" Zinsvereinbarung möglich. Dazu noch später.
- Der Parameter ""PMT" wird freigelassen (oder man setzt ein "0" ein), weil wir "zwischendurch"
keine weitere Ein-/Auszahlung tätigen.
- Der Barwert (Anfangskapital) ist eine negative Zahl! Der Gedanken lautet: wir geben sie zuerst heraus.
- Der Parameter TYPE bekommt den Wert 0 zugewiesen (man kann ihn auch einfach weglasse). D.h.
die Zinsen werden "nach" einer Zinsperiode ausgezahlt (= "nachschüssige Verzinsung"). Falls
die Verzinsung "vorschüssig" ist, dann MUSS man dort eine "1" eintragen.